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Air Berlin: Aufstieg und Fall der ehemals zweitgrößten deutschen Airline

Die turbulente Geschichte der Air Berlin.

Bereits im Juli 1978 wurde die Air Berlin Inc. gegründet, und zwar als Chartergesellschaft unter Zulassung durch die Federal Aviation Administration im US-Staat Oregon. Der Grund dafür war einfach. 1978 stand noch die Berliner Mauer und in Berlin galt das Viermächte-Abkommen. Demnach durften nur Maschinen der vier Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und UdSSR die Flughäfen in Berlin anfliegen.

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Von Berlin aus flog Air Berlin mit Boeing 707 und später Boeing 737 zu Zielen rund ums Mittelmeer. Schon damals war Palma de Mallorca wichtigster Zielflughafen von Air Berlin.

Das blieb bis zur deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 so. Dann fiel die Lufthoheit der alliierten Siegermächte weg und Air Berlin wurde offiziell eine deutsche GmbH & Co. KG.

Mallorca-Shuttle

Ab 1998 wurden rund 10 Prozent aller Sitze an Reiseveranstalter vermarktet und der legendäre Mallorca-Shuttle von Berlin, Düsseldorf und Paderborn mit täglichen Flügen nahm den Betrieb auf.

Später wurde Mallorca (PMI) sogar zu einem echten Drehkreuz ausgebaut, von dem Weiterflüge zu Zielen u.a. auf dem spanischen Festland angeboten wurden.

Air Berlin wuchs kräftig, nicht zuletzt auch, weil vermehrt von kleineren deutschen Flughäfen operiert wurde, an dem die Konkurrenz entweder nicht vorhanden oder überschaubar klein war.

Zukäufe und Kooperationen

Doch allmählich begann der Größenwahn sich durchzusetzen. 2004 stieg man bei NIKI ein, und Germania wurde eng eingebunden.

Der Börsengang 2006 spülte rund 510 Millionen Euro in die Kasse, ließ aber bereits kleinere Wolken am Himmel erkennen, da die Nachfrage nach Air Berlin Aktien bei weitem nicht so groß war, wie das die Airline-Führung selbst eingeschätzt hatte. Der Erlös war dadurch rund 360 Millionen Euro niedriger als geplant.

Die dba wurde im August 2006 übernommen und im März erfolgte die Übernahme der LTU. Dadurch hatte sich die Struktur der Air Berlin bereits spürbar verkompliziert und die Kosten fingen an davonzulaufen. Doch die Lust auf Aufkäufen war den Airline Bossen noch nicht vergangen. Es folgte Belair Airlines und der Wunsch wuchs auch noch Condor zu schlucken. Daraus wurde aufgrund von Einwänden des Bundeskartellamtes jedoch nichts.

Im Juli 2010 trat Air Berlin der Luftfahrtallianz Oneworld bei. Zusätzliche Codeshare-Abkommen mit zahlreichen Airlines ermöglichte des Passagieren Destinationen in aller Welt.

Nun war Air Berlin ein großer Fisch der Branche und die Nummer 2 am deutschen Himmel. Doch von da an ging es nur noch bergab.

Airbus Flugzeug von Air Berlin

Airbus Flugzeug von Air Berlin

Der Abstieg

Air Berlin flog Minus ein und Verluste begannen sich zu häufen. Im August 2011 mußte Mit-Gründe Joachim Hunold sich aus der Führung der Airline zurückziehen und wurde durch Hartmut Mehdorn ersetzt.

Mehdorn hatte bereits bei zahlreichen Unternehmen, wie Airbus, MBB und Deutsche Bahn gezeigt, was er nicht kann, und das ist nachhaltig wirtschaften. Dafür verstand er sich super im Kaputtsparen, und so wunderte es nicht, daß ein Sparprogramm das andere ablöste. An den grundsätzlichen Problemen änderte das jedoch nichts.

Air Berlin verzettelte sich. Zuviele unterschiedliche Flugzeugtypen, zahlreiche unterschiedliche Tarifverträge, und völlig unterschiedliche Produkte sorgten für anhaltende Verluste. Air Berlin wollte alles auf einmal sein. Billigflieger, Langstreckenairline und Konkurrent der Lufthansa. Das konnte nicht gutgehen.

2011 holte man sich zwar Etihad Airways als Aktionär an Bord, doch auch das konnte den Absturz nicht mehr aufhalten.

Zahlreiche Arbeitsplätze wurden gestrichen und einstmals lukrative Verbindungen oder gleich ganze Abflughäfen gestrichen. So auch die kompletten Flüge von Nürnberg und später sogar der Airport Palma de Mallorca, das alte Herz von Air Berlin. Der Mallorca-Shuttle war Geschichte.

Insolvenz

Ab 2013 gaben sich die wechselnden Chefs bei Air Berlin praktisch die Klinke in die Hand. Auf Mehdorn folgten Wolfgang Prock, Stefan Pichler und Thomas Winkelmann.

Daß dieser Thomas Winkelmann ausgerechnet von der Lufthansa kam, ließ viele hellhörig werden. Und einige Monate später sollten sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten. Im August 2017 meldete Air Berlin Insolvenz an und Lufthansa ist gerade dabei, große Teile von Air Berlin zu übernehmen bzw. in ihre Tochter Eurowings zu integrieren.

Wie das am Ende ausgehen wird, steht noch nicht fest. Daß die Marke Air Berlin und damit die typischen rot-weiß-lackierten Flieger demnächst vom Himmel verschwinden werden, scheint bereits festzustehen.

Geschichte der Air Berlin in 03:40

Wer die Historie der Air Berlin noch einmal in Kurzform erleben möchte, kann dies mit diesem Video tun.

Quelle: YouTube

Echten Luftfahrtfans wird beim Betrachten der Bilder ganz warm ums Herz. Und damit ist nicht das legendäre Schokoherz gemeint, das Air Berlin Flugbegleiter immer nach dem Flug an alle Passagiere verteilen.

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2 Kommentare

  1. Pingback: Viele Piloten krank: Ist Air Berlin am Ende? » Weltansehen.de

  2. Es war ja schon änger die Rege davon, aber als es dann tatsächlich so weit war, war man doch mehr als erschrocken. Ich bin gespannt, was jetzt durch die Übernahme durch die Lufthansa alles passiert.